Politik und Kaffee im 19. Jahrhundert


Der 15. September 1821 ist wohl eines der wichtigsten Daten für Costa Rica und seine Nachbarländer – Mittelamerika wurde unabhängig. Doch trotz der enormen Bedeutung erreichte diese Nachricht Costa Rica erst einen ganzen Monat später. Der Fortschritt des Landes ließ noch deutlich zu wünschen übrig. Um den Anschluss nicht ganz zu verlieren, wurde eine provisorische Regierung gebildet. Diese entschied sich schließlich für den Zusammenschluss mit Mexiko.

Chaotische Unabhängigkeit

Die neugewonnenen Freiheiten waren für Mittelamerika Segen und Fluch zugleich. Einerseits brachte die Unabhängigkeit ungeahnte Vorteile, andererseits waren die Länder auf diese neue Situation alles andere als vorbereitet und jeder versuchte, seine Interessen durchzusetzen. In allen Regionen Mittelamerikas brachen Kämpfe und Kriege um möglichst große Gebiete aus. Eine erste Ordnung sollte ab 1823 in das Chaos gebracht werden. Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Honduras gründeten in diesem Jahr die Zentralamerikanische Föderation und beschlossen die Hauptstadt in Guatemala Stadt. Trotz des Zusammenschlusses blieben die einzelnen Staaten weiterhin autonom. Währenddessen wurde Panama ein Teil von Kolumbien und Costa Rica stand zwischen den Fronten. Die Costa Ricaner wollten sich nicht recht entscheiden, welchen Status ihr Land nun haben sollte und fochten ihre Streitigkeiten in einem ersten Bürgerkrieg aus. Während die fortschrittlicheren Denker mit Sitz in San José und Alajuela einen Beitritt der Föderation anstrebten, gab die konservative Führung in Cartago und Heredia lieber den Anschluss an Mexiko den Vorzug. Die Schlacht von Ochomongo sollte schließlich die Entscheidung bringen. Am 5. April 1823 erlagen die Konservativen den Föderalisten und somit gehörte auch Costa Rica zur Zentralamerikanischen Föderation. Doch bis es wirklich zu geordneten Verhältnissen kommen sollte, musste noch eine lange Zeit vergehen. Bis dahin wurde Mittelamerika immer wieder von Bürgerkriegen und Diktatoren erschüttert.

Kaffee auf dem Vormarsch

Juan Mora Fernández, ein Lehrer, wurde 1824 zum ersten Oberhaupt des Staates Costa Rica ernannt. Im Gegensatz zu den Staatsoberhäuptern der Nachbarländer galt Mora als durchaus fortschrittlich. Sein Ziel war eine liberale Regierung. Doch damit war er seiner Zeit leider noch weit voraus und es kam 1835 zu erneuten Kämpfen. Eine Liga aus drei kleineren Städten vollzog einen Angriff auf San José, unterlag jedoch der Macht der Hauptstadt. Und auch innerhalb der Zentralamerikanischen Föderation kam es immer wieder zu Spannungen und Interessenskonflikten, sodass Costa Rica unter der Regierung von Braulio Carillo den Bund im Jahre 1838 verließ und seine Unabhängigkeit erklärte. Nur ein Jahr später löste sich die Föderation nach nur 16 Jahren ganz auf.

Kaffeefrüchte Costa Rica Costa Rica legte nun sein Hauptaugenmerk auf den Handel mit Europa. Vor allem der Kaffee aus Costa Rica erfreute sich Dank der besonderen Lage und den klimatischen Bedingung einer großen Beliebtheit unter den Europäern und trat so seinen Siegeszug an. Sowohl Mora als auch Carillo erkannten das Potential der schwarzen Bohne und stellten dementsprechend gute Förderungen zur Verfügung. Einwanderern aus Europa gewährten sie ausreichend Land für den Anbau von Kaffee auf großen Plantagen. Schon wenige Jahre darauf zählte Kaffee zu den wichtigsten Exportartikeln Costa Ricas und sorgte für den Ausbau und die Weiterentwicklung des Landes. So wurde u.a. die Hauptstadt San José durch die Kaffeeeinnahmen erweitert und es entstanden in dieser Zeit zahlreiche neoklassizistische Gebäude.

Obwohl zunächst auf die Bauern vom florierenden Kaffeegeschäft profitierten, offenbarten sich schon schnell die Schattenseiten des Exporthandels. Es dauerte nicht lange und der Handel viel bald in die Hände einiger weniger cafeteroles (Kaffeebaronen). Der Handel sollte jedoch nicht das einzige Metier bleiben, dass sich die Händler unter den Nagel reißen wollten. Schon bald beherrschten sie auch die politischen Ebenen. Der Kaffeebaron Juan Rafael Mora Porras vertrieb im Jahre 1849 den fortschrittlich gesinnten Präsidenten José Marís Castro und übernahm selbst die Regierung Costa Ricas. Insgesamt dauerte seine Herrschaft ganze 11 Jahre bis zu seinem Tod 1860.

Vom Kaffee zur Banane

Bananenpflanze Costa Rica Zehn Jahre später trat der reformfreudige General Tomás Guardia die Präsidentschaft in Costa Rica an und setzte der Übermacht der cafeteroles ein Ende. Er richtete zunächst eine Zentralregierung ein und beschloss eine hohe Kaffeesteuer. Somit wurde einerseits der Einfluss der Kaffeebarone beschränkt und andererseits kam Costa Rica zu einer neuen Geldquelle an der nicht nur einige wenige ihre Freude haben konnten. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Fortschritt war der Bau einer eigenen Eisenbahnlinie. Dadurch wurde die Hauptstadt San José mit dem Atlantik verbunden und der Kaffee konnte besser und schneller transportiert werden. So fortschrittlich der Bau dieser Strecke auch sein mochte, erwies sich das Unterfangen in der Region doch als schwierig und Costa Rica holte sich Hilfe von außen. Der Ingenieur Minor Keith aus Nordamerika führte letztlich den Bau der Eisenbahnstrecke im Jahre 1890 zu einem gelungenen Ende. Zuvor ließ er sich jedoch von der Regierung Costa Ricas schriftlich versichern, dass auch er die Trasse für eigene Züge nutzen darf. Der Ingenieur hatte das Potential Costa Ricas längst erkannt und plante den Bau riesiger Bananenplantagen. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte Costa Rica zu den größten Bananenexporteuren weltweit und aus Keith` Bananenunternehmen entwickelte sich die berühmt berüchtigte United Fruit Company.