Erste Kulturen in Costa Rica


Küste Costa Rica Kapitän Gil Gonzáles Davila staunte nicht schlecht, als er mit seiner Flotte die Küste des fernen Landes Veragua erreichte und dort von reich mit Gold geschmückten Indiandern empfangen wurde. Sogleich benannten die fremden Eroberer das zuvor als Veragua bekannte Land in Costa Rica um – die reiche Küste. Im Lexikon findet sich die Bezeichnung Costa Ricas erstmals 1522, doch schon lange vor der spanischen Eroberung durch die Konquistadoren war das Gebiet in Mittelamerika reich besiedelt und bildete die Heimat zahlreicher Kulturen…

Indianische Kriege

Etwa 25 unterschiedliche indianische Völker besiedelten die Region um Costa Rica und lebten in ständigen Kriegen nebeneinander. Vermutlich wanderten ca. 10.000 v. Chr. die ersten Menschen auf dem Norden in die Mittelamerikanische Region. Doch während sich in Nord- und Südamerika die Völker langsam zu großen gemeinsamen Kulturen zusammenschlossen, gingen die indianischen Volksgruppen in Costa Rica nie einen Völkerbund oder dergleichen ein. Stattdessen bekämpften sie sich unter der Herrschaft wechselnder Häuptlinge gegenseitig  und blieben weiterhin vereinzelt in ihren Stämmen. Zudem nahmen sie auch keinen Anteil an den kulturellen, wirtschaftlichen oder technischen Errungenschaften aus dem Norden oder Süden. Die Chorotega, Corobicí, Diquis, Boruca, Chibcha, Kariben, KéKöLdi, Cabécar und die Guaymí gehören zu den indianischen Völkern, die schon sehr früh Costa Rica besiedelten.

Die Chorotega im Nordwesten

Ab dem 6. Jahrhundert siedelte sich etwa auf dem Gebiet des heutigen Guanacaste die wohl am weitesten entwickelte an – die Chorotega. Die Gegend wurde schon zuvor von anderen Stämmen besiedelt, doch nach dem Antreffen der Chorotega finden sich keine weiteren Spuren dieser Ethnien. Wahrscheinlich wurden sie von den Chorotega verdrängt. Chorotega selbst bedeutet so viel wie “das geflohene Volk”. In ihrer Kultur lassen sich zahlreiche Parallelen zu den Kulturen Guatemalas und Mexikos, wie zu den Olmeken, Azteken und auch Maya feststellen. Die Chorotega hegten ein ausgesprochenes Familienleben. Sie lebten in Langhäusern aus Holz und Stroh, bauten Tempel für ihre Glaubensrituale, wie z.B. dem Aderlass oder dem Opfern einer Jungfrau im Mondschein und entwickelten eigene Bewässerungssysteme. Die Chorotega betrieben Anbau von Mais und Baumwolle. Das Volk gliederte sich in ein System aus Fürsten an der Spitze bishin zu Sklaven. Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung einer eigenen Schrift und besaßen Kenntnisse vom noch heute legendären Kalender der Maya. Dies haben sie ausnahmslos allen anderen Kulturen Costa Ricas dieser Zeit voraus.

Die Corobicí im Hochland

Im Hochland Costa Ricas etablierten sich vor allem die Coribicí. Kleine Gemeinschaften schlossen sich oft zu palenques, also kleinen Dörfern, zusammen. Sie waren geschickte Jäger und verstanden sich zudem ausgezeichnet auf die Schmuckverarbeitung von Gold. Mit herrlichen Statuen z.B. in Form eines Frosches und feinen Amuletten betrieben sie regen Goldhandel mit den Kulturen und Stämmen des Flachlandes. Die Coribicí waren es auch, die die bislang einzige entdecke Stadt errichteten, die noch vor der Ankunft Columbus´ erbaut wurde. Sie befindet sich am Fuß des Vulkans Turrialba und nennt sich Guayabo. Etwa 1000 Menschen sollen im 11. Jahrhundert dort gelebt haben. Die Stadt besaß feste Straßen, Aquädukte und Steingrabstätten und entwickelte sich gut bis sie plötzlich im 15. Jahrhundert aus bislang unbekannten gründen aufgegeben und verlassen wurde.

Die Diquis und andere Küstenstämme

An der Küste des karibischen Meers haben sich neben den Boruca, Chibcha, Bribrí, Kariben und KéKöLdí vor allem die Diquis eingerichtet. Diese Jäger und Fischer ernährten sich nebst Fleisch und Fisch hauptsächlich von Kürbissen und Yucca. Ab dem 6. Jahrhundert begegneten diese Küstenstämme erstmals seefahrenden Indianern aus Peru und Kolumbien. Ihre Kultur veränderte sich durch diesen Kontakt stetig. Die Diquis begannen etwa um diese Zeit mit der Herstellung detailreicher Goldfigurinen. Sie entwickelten sich schnell zu geschickten Goldschmieden. Viele Stücke ihrer Arbeit wurden auf der Halbinsel Osa entdeckt. Unter den einzelnen Küstenstämmen herrschte kaum friedlicher Kontakt. Die eher matriarchisch organisierten Völker verstanden sich mehr auf der Kriegskunst, als auf Diplomatie und Völkerverständigung.