Die ersten Europäer in Costa Rica


Der 18. September 1502 ist bedeutend  für Costa Rica und die Völker, die dieser Zeit das Land noch bewohnten. Christoph Kolumbus erreichte an diesem Tag die Küste während seiner vierten Reise in die Neue Welt. Für Europa war dies nur ein weiterer Schritt in Sachen Expansion und Erschließung der gesamten Erde. Für die Völker Costa Ricas jedoch bedeutete es den Niedergang ihrer Kulturen.

Kolumbus stieß schon kurz nach seiner Landung auf einheimische Ureinwohner und war beeindruckt von all dem glänzenden Gold, mit dem die indianischen Ureinwohner so reichlich geschmückt waren. Er gab dem Land den bezeichnenden Namen La Huerta – “der Garten” – und vermutete in der grünen Oase eine Fülle an Gold- und anderen Edelmetallen.

Erste Versuche der Kolonialiserung

Urwald Costa Rica Schon vier Jahre nachdem Kolumbus Costa Rica, bzw. Veragua (der damalige offizielle Name der Region), im Namen Spaniens betreten hatte, unternahmen die Spanier einen ersten Versuch zur Gründung einer Kolonie. Allerdings sollte es bei diesem ersten Unterfangen lediglich bei einem Versuch bleiben, die Spanier scheiterten auf ganzer Linie. Doch so schnell sollten sie nicht aufgeben. Der spanische König Ferdinand ernannte Diego de Nicuesa zum ersten Gouverneur von Veragua und stellte weitere Gelder zur Gründung einer Kolonie oder zumindest einer Siedlung nahe der karibischen Küste zur Verfügung. Diese Siedlung sollte den Ausgangspunkt für weitere Expeditionen ins Landesinnere bilden und als Lager für die erhofften zahlreichen Goldfunde dienen. Doch so weit sollte es nicht kommen. Noch bevor der ernannte Gouverneur die Küste Costa Ricas auch nur sehen konnte, erlitten er und seine Truppen Schiffbruch vor Panama. Ihm und den seinen blieb nichts anderes übrig, als sich zu Fuß durch das unwegsame Dickicht des Urwaldes im Norden zu schlagen. Die ungewohnte sumpfige Umgebung, das anstrengende Klima und unbekannte Krankheiten setzten den Spaniern sehr zu und bedeuteten für viele den sicheren Tod. Als wäre das noch nicht genug, trafen sie im tiefsten Urwald immer wieder auf kampferprobte Ureinwohner, welche ihnen alles andere als freundlich gesinnt waren.

Trotz der harten Bedingungen gelang es ihnen in den 1520er Jahren unter dem Kommando von Francisco Fernández de Córdoba eine kleine Kolonie am Pazifik unweit der heutigen Stadt Puntarenas zu gründen. Doch auch diese konnte sich nicht dauerhaft halten.

Im Rausch des Goldes

Trotz der kräftezehrenden Niederlagen hielten die Spanier stur an ihrer Vorstellunge vom grünen Land voller Goldschätze fest und schickten weiterhin Schiffe an die Küste des so vielversprechenden Landes. Der Mythos vom Gold sorgte für ständigen Nachschub an hoffnungsvollen Männern, die bereit waren ins Unbekannte aufzubrechen. Tatsächlich stieß Pizarro im Jahre 1532 im heutigen Peru auf eine ordentliche Goldader und schon zehn Jahre darauf entdeckte Cortés die reichen Silberminen in Mexiko. Costa Rica jedoch gab seine Schätze nicht preis. Die Spanier suchten nicht länger nach Gold und Edelmetallen in Minen oder Flüssen, sondern plünderten stattdessen die Goldreserven der einheimischen Völker. Da dies auf Dauer natürlich nicht ausreichen konnte, schickten sie bald die Einheimischen zur Zwangsarbeit in die Bergwerke. Doch diese Versklavung und die aus Europa kommenden Krankheiten führten bald zum Tod vieler Indios. Bis in die 1540er Jahre hatten die Spanier beinahe alle Stämme Costa Ricas besiegt bzw. ausgelöscht und schenkten dem Land immer weniger Aufmerksamkeit.

Im Jahre 1562 wurde Juan Vásquez de Coronado zum Gouverneur von Costa Rica ernannt. Dieser gründete El Guarco (die Vorläuferstadt von Cartago) und ernannte die kleine Siedlung im kühlen Hochland zur ersten offiziellen Hauptstadt Costa Ricas. Coronado herrtsche zwar vergleichsweise gerecht und gütig, doch wich auch er nicht von der gängigen Praxis ab die Ländereien an spanische Soldaten zu verteilen. Diese hatten nun das Recht, nach Belieben Zwangsarbeiter und Sklaven aus der einheimischen Bevölkerung zu rekrutieren, was die Zahl der Indianer weiter dezimierte. Zwischen 1610 und 1660 erlag ein gewaltiger Großteil der Eingeborenen an den aus Europa eingeschleppten Krankheiten wie Tuberkulose, Masern und Röteln. Die wenigen Überlebenden flohen und die Berge im Landesinneren und blieben dort im Verborgenen.

Auf sich selbst gestellt

Von nun an waren die Spanier unter sich und mussten ihre Felder selbst bestellen. Das sonst so praktikable Vorgehen der Versklavung einheimischer Völker war in Costa Rica gescheitert und auch die Goldreserven des Landes waren längst erschöpft. Es gab nichts, was die Spanier nun noch in ihr Heimatland hätten schicken können. So nahm das Interesse an Costa Rica und den Spaniern vor Ort stetig ab. Diese verkamen nach und nach zu verarmten Bauern, welche die Hoffnung nicht aufgaben, eines Tages doch noch in den Adelsstand erhoben zu werden. Doch während sie abwartend ihre Felder bestellten, gehörte Costa Rica längst zu den rückständigsten Regionen der Neuen Welt und fand in der Heimat Spanien kaum noch Beachtung.

Die zähe Neubesiedelung

Kirche von Cartago heute Noch sehr lange Zeit blieben die ersten europäischen Siedlungen nichts weiter, als eine kleine Ansammlung armer Bauernhäuser. Selbst die Hauptstadt Cartago besaß bis zum Vulkanausbruch des Irazú im Jahre 1723 nichts weiter, als eine kleine Kirche und einige umstehende Lehmhäuser. Allerdings hatte sich bis in die 1750er Jahre schon eine recht gute Landwirtschaft entwickelt und es entstanden weitere Städte, darunter Heredia, San José und Alajuela. Durch die große Entfernung zur Hauptstadt Cartago und der dort sitzenden Regierung waren die Menschen auf nachbarschaftliche Unterstützung angewiesen. Soziale Unterschiede oder die Hautfarbe spielten dadurch kaum eine Rolle. Eine breite Entwicklung von Mischlingsschichten (Mestizen) war durch die starke Dezimierung der Indios während der Versklavung beinahe ausgeschlossen. In Costa Rica entwickelte sich nie eine weiße Oberschicht, die über Schwarze oder Mestizen bestimmen konnten. So blieb es bei den weißen Bauern, die ihr Land selbst bestellten.

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